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BMW i8/Porsche 911:Test
— 21.07.2014Reif für die Rennstrecke?
Jetzt wird es ernst: Wie gut ist der Elektro-Revolutionär auf dem Rundkurs? Ein Vergleich gegen Porsche 911 klärt, was der BMW i8 im Grenzbereich draufhat.

Er hat viel erlebt. Und er hat sie alle überlebt. Seit 50 Jahren beansprucht der Porsche911 erfolgreich wie kein Zweiter den Sportwagen-Thron. Doch nun kommt plötzlich dieser BMW i8 daher und will alles anders machen. Als erster Öko-Sportwagen der Welt verspricht er die Wende: weg vom spritfressenden Tempobolzen, hin zum effizienten
Dynamik-Fahrerlebnis mit Elektro-Doping.






Auf der Rennstrecke fährt der BMW hinterher, beim Verbrauch nicht: 5,6 l/100 km sind eine Ansage.
Dreizylinder und E-Motor befeuern den i8 mit insgesamt 362 PS
Seit dem seligen M1 von 1978 hat kein anderer BMW-Sportler die Erwartungen so hoch geschraubt wie der i8. Vor allem sein expressiv-futuristisches Design katapultiert die Erwartungen auf 911-Niveau. Mindestens! Beim Tempo, mit dem sich die Köpfe nach ihm umgucken, liegt der i8 jedenfalls schon mal deutlich vorn. Und die meisten glauben tatsächlich: Der muss doch schneller sein als der Elfer. Wirklich? Kann der allradangetriebene i8 auf der Rennstrecke überzeugen? Wie schlägt er sich gegen den 4x4-Elfer? Denn Rundenzeiten sind nach wie vor der Gradmesser für die Fahrdynamik
. Die technischen Eckdaten lassen ein Kopf-an-Kopf-Duell erwarten. Mit 362 PS Systemleistung und 1559 Kilo Leergewicht hat der i8 gegenüber dem 400 PS starken und 21 Kilo leichteren 4x4-Elfer einen kleinen Nachteil. Dafür kontert er mit der gleichmäßigeren Gewichtsverteilung, der besseren Aerodynamik sowie dank E-Drehmoment extremer Durchzugskraft beim Zwischenspurt. In der Disziplin von 80 auf 120 km/h hat der BMWeinen winzigen Vorsprung vorm Porsche. Ob das reicht, um ihn zu besiegen?
Mit perfektem Fahrwerk brennt der 911 Topzeiten in den Asphalt
Also Ring frei. In diesem Fall die Motorsportarena in Oschersleben – auf der 3,7 Kilometer langen Rundstrecke testet AUTO BILD regelmäßig. Der Porsche legt vor. Schon in der vierten scharfen Runde sind seine Reifen so heiß, dass sie ihren optimalen Grip verlieren. Obwohl der 911 deshalb an den Schlüsselstellen ins Rutschen kommt, wird er schneller. Grund: Durch den Lastwechsel bricht sein Heck bei inaktivem ESP exakt im Scheitelpunkt der Kurven aus und erlaubt Könnern bei Richtungsänderungen eine extrem fixe Linie. Mit 1:44,19 Minuten brennt der Elfer eine Topzeit in den Asphalt. Kurzum: Das Zusammenspiel zwischen dem drehgeilen Heckmotor, einer präzisen Lenkung, den standfesten Keramikbremsen sowie dem perfekt abgestimmten Fahrwerk hat Porsche über viele Jahrzehnte so perfektioniert
, dass ein von kundigen Händen bewegter 911 kaum zu schlagen ist. Auch nicht vom i8. Mit frisch an der Steckdose aufgeladenen Akkus fegt der BMW gefühlt kaum langsamer um die Rundstrecke. Hochspannung beim Blick auf die Stoppuhr – und dann die Ernüchterung: 1:48,72 Minuten, also mehr als vier Sekunden langsamer – eine Welt im Sportwagensegment, wo es auf Zehntelsekunden ankommt.
Und nicht nur das: Die komplizierte Symbiose aus Elektromotor und Dreizylinder klappt zwar auch auf der Rennstrecke beeindruckend, doch unter extremer Dauerbelastung geht dem i8 schnell der Saft aus. Damit wiederholt er seine Konditionsschwäche, die AUTO BILD bereits im ersten Test bei Zwischenspurts auf der Autobahn bemerkt hatte. Spätestens in der dritten Vollgasrunde hat sich der Akkupack so weit entleert, dass der BMW durch den fehlenden E-Boost deutlich langsamer wird.
Beim Verbrauch hängt der BMW den Porsche ganz locker ab
eim Beschleunigen aus Kurven fühlt er sich nicht nur träger an, sondern verliert tatsächlich wertvolle Zeit. Auf der Uhr kommen pro Runde rund 4,5 Sekunden zusammen, die er seinem Ergebnis mit vollen Batterien hinterherfährt. Zum Porsche sind es nun fast neun Sekunden Differenz – eine Galaxie. Der Elfer brüllt und kreischt derweil weiter lustvoll um den Kurs. Runde um Runde wiederholt er seine Bestzeit wie ein Präzisionsuhrwerk. Ermüdungserscheinungen kennt er nicht. Er ist sauschnell, er ist extrem standfest. Wenn wir mal den Blick von der Uhr nehmen, bleibt für den i8 unterm Strich trotzdem noch reichlich Fahrspaß
übrig. BMW hat ihn ausgesprochen sicher abgestimmt. In Kurven verhält er sich wunderbar neutral, schiebt bei zu hohem Eingangstempo nur leicht über die Vorderräder. Übersteuern lässt sich durch Lastwechsel provozieren, bringt aber anders als beim 911 keine Vorteile. Dass im Heck lediglich ein 1,5-Liter- Motor den i8 nach vorn drückt, ist angesichts der ordentlichen Soundkulisse kaum zu glauben. Das klingt eher nach Zehn- als nach Dreizylinder. Trotzdem: Die Hybrid-Konstruktion ist nix für ambitionierte Racer. BMWs Öko-Flunder zeigt andere Qualitäten. Bis zu 30 Kilometer weit summt sie futuristisch rein elektrisch durch die Gegend. Mit sehr viel Kraft unter der Haube dennoch abgasfrei zu fahren, vermittelt ein gutes Gefühl.
Ein Gefühl, das der 911 nicht bieten kann. Logischerweise verliert er das Duell auf der AUTO BILD-Verbrauchsrunde: Der i8 schluckt dort weniger als die Hälfte. 5,6 Liter Alltagsverbrauch pro 100 Kilometer sind für ein 362-PS-Auto eine neue Dimension. Eine Dimension, die die Sportwagenwelt neu definiert.




















Perfekt abgestimmt: Ein von kundiger Hand bewegter Elfer ist auf der Rennstrecke kaum zu schlagen.
| Fahrzeugdaten | BMW | Porsche |
|---|---|---|
| Motor | Dreizylinder, Turbo, plus E-Motor | Sechszylinder-Boxer |
| Einbaulage | quer über Hinterachse | hinten längs |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
| Hubraum | 1499 cm³ | 3800 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 170 (231)/5800 | 294 (400)/7400 |
| Nm bei 1/min | 320/3700 | 440/5600 |
| kW (PS) bei 1/min (E-Motor) | 96 (131) | - |
| Nm bei 1/min (E-Motor) | 250 | - |
| Systemleistung kW (PS) | 266 (362) | - |
| Vmax | 250 km/h | 297 km/h |
| Getriebe | Sechsstufenautomatik | Siebengang-Doppelkupplung |
| Antrieb | Allrad, vorn durch E-Motor | Allrad |
| Testwagenbereifung | 215/45 – 245/40 R 20" | 245/35 – 305/30 ZR 20" |
| Reifentyp | Bridgestone Potenza S001 | Pirelli P Zero |
| Abgas CO2 | 49 g/km | 212 g/km |
| Verbrauch* | 2,1 l | 9,1 l |
| Tankinhalt | 42 l / Super plus | 68 l / Super plus |
| Kältemittel Klimaanlage | R1234yf | R134a |
| Vorbeifahrgeräusch | 72 dB (A) | 74 dB (A) |
| Kofferraumvolumen | 154 l | 115 l |
| Länge/Breite/Höhe | 4689/1942-2218**/1293 mm | 4491/1852-1978**/1296 mm |
| Testwagenpreis | 127.600 Euro | 126.994 Euro |
| * ECE gesamt; ** Breite mit Außenspiegeln | ||
| Messwerte | BMW | Porsche |
|---|---|---|
| Beschleunigung | ||
| 0–50 km/h | 1,7 s | 1,6 s |
| 0–100 km/h | 4,2 s | 4,1 s |
| 0–200 km/h | 14,8 s | 13,9 s |
| Zwischenspurt | ||
| 60–100 km/h | 2,1 s | 2,1 s |
| 80–120 km/h | 2,5 s | 2,6 s |
| Leergewicht/Zuladung | 1559/296 kg | 1538/357 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 49/51 % | 39/61 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,3/12,6 m | 11,0/10,9 m |
| Bremsweg | ||
| aus 100 km/h kalt | 35,9 m | 33,4 m |
| aus 100 km/h warm | 35,5 m | 32,6 m |
| Innengeräusch | ||
| bei 50 km/h | 60 dB (A) | 64 dB (A) |
| bei 100 km/h | 65 dB (A) | 70 dB (A) |
| bei 130 km/h | 72 dB (A) | 76 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 5,6 l SP – 153 g/km | 11,8 l SP – 280 g/km |
| Reichweite | 535 km + 32 km E-Reichweite | 570 km |
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